
Ruf des Lebens
Aufopferungsvoll pflegt Marie ihren bettlägerigen Vater. Der alte Tyrann klammert sich an sie, beharrt auf ihrer ständigen Anwesenheit im Krankenzimmer. Seit drei Jahren hat Marie das Haus kaum verlassen. Als sie sich in einen jungen Soldaten verliebt, scheint ein Ausweg greifbar – doch sie ahnt nicht, dass er sich längst entschieden hat. Nicht für sie, sondern für den Krieg. Denn das Vaterland muss verteidigt werden.
Schnitzler zeichnet in diesem selten gespielten Theaterstück ein Dilemma, das aktueller ist, als es auf den ersten Blick scheint: die Unvereinbarkeit von Pflicht und Selbstbestimmung, an der viele pflegende Angehörige bis heute zu scheitern drohen. Doch Ruf des Lebens ist mehr als das Porträt einer aufopfernden Tochter – es ist die Anatomie einer sterbenden Gesellschaft. Nicht nur Maries Vater, sondern alle Figuren sind dem Untergang geweiht, erstarrt in einem System aus Krieg, Verdrängung, Pflichtgefühl und Opferbereitschaft. Gerade darin liegt die verstörende Gegenwärtigkeit des Stücks: in der Frage, wie viel ein Mensch für andere, für Ideale oder für ein Gemeinwesen aufzugeben bereit sein soll – und ab wann aus Hingabe Selbstverlust wird.
Das Foyer öffnet eine Stunde vor Vorstellungbeginn.
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Schlosstheater Moers GmbH
Das Schlosstheater Moers (S.T.M.) bietet als kleines Theater ein vielfältiges Programm für eine vielfältige Stadtgesellschaft. Unter dem Motto „Radikale Zeitgenossenschaft“ entsteht Theater mit einem Fokus auf gegenwärtige Fragen, mit einem kleinen Ensemble und einer großen Nähe zum Publikum und zu Partnerinstitutionen. So gibt es neben Kooperationen mit Les Théâtres de la Ville de Luxembourg und der Folkwang Universität der Künste das jährlich stattfindende Kinder- und Jugendtheaterfestival Penguin’s Days des Jungen Schlosstheaters, das nationale und internationale Theatergruppen nach Moers führt.


